Mit sich selbst befreundet sein: Von der Kunst der Lebensführung.
November 2009
Was tue ich? Was nicht? Die Freiheit der Moderne bringt den Luxus dieser Fragestellung. Dieser Anstoss gibt kleine Tipps für die grosse Lebensreise. In drei Schritten:
_ Loslassen
_ Selbstliebe
_ Bewusstsein

_ Loslassen: Ankommen in der Stille
Sie erwarten jetzt eine Handlungsanleitung. Doch der erste Tipp lautet: Nichts tun. Ankommen. Im Jetzt. Akzeptieren, dass alles ist, wie es ist. Wer aus diesem Loslassen heraus Schritte tut, der erreicht Veränderungen mit mehr Leichtigkeit. Denn der Ort des Glücks liegt nicht ausschliesslich in der Zukunft.
Es ist völlig in Ordnung, aktiv zu sein, Situationen zu verbessern, seiner Sehnsucht zu folgen. Aber die dauernde Ausrichtung auf das Mehr im Morgen führt zum Verlust von Lebenslust.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich im Loslassen und in der Stille zu üben. Sie werden spüren, wenn Sie Ihre Form der Meditation gefunden haben - die auch gar nicht so heissen muss. Je mehr Sie üben, desto leichter wird es Ihnen fallen, auch in schwierigen Momenten ganz im Hier und Jetzt zu bleiben.
_ Selbstliebe: Wo alles beginnt
Nur wer sich selbst achtet, kann andere achten. Und ist damit weniger angewiesen auf die Anerkennung anderer. Sich selbst anzuerkennen ist genauso wichtig, wie die Anerkennung anderer. Beginnen Sie bei sich selbst:
_Staunen Sie darüber, was Sie können und erreicht haben. Blicken Sie für einmal zurück auf den bisherigen Weg - anstatt immer nach oben, auf den Gipfel zu starren.
_Stellen Sie sich vor, ein Geschenk zu sein für sich und andere. Das fällt oft schwer. Denn wir werden dauernd beurteilt, beurteilen andere - und uns selbst am strengsten. Gibt es eine Person, die für Sie ein Geschenk ist? Öffnen Sie sich für die Vorstellung, dass diese Person sie ebenfalls als Geschenk empfindet. Dieser Einstieg kann Ihnen die Selbstakzeptanz erleichtern.
_Gönnen Sie sich monatlich einen Verwöhn-Termin. Nur mit sich selbst. Verwöhnen ist etwas sehr Persönliches, halten Sie sich bei Ihrer Wahl an keine Regeln oder Vorstellungen. Sie werden sehen, dass es anders ist, wenn Sie diese Zeit wirklich mit sich alleine geniessen. Nehmen Sie Ihr inneres Kind an der Hand und führen Sie es aus. Vielleicht für einen Pfützen-Spaziergang, einen Kino-Abend oder eine Ausstellung?
_Geben Sie Wertschätzung weiter, ohne Erwartung. Sagen Sie anderen, was Sie an ihnen schätzen. Nennen Sie die konkrete Handlung, wie Sie diese erleben, was sie bei Ihnen für Gefühle auslöst. Ohne damit etwas erreichen zu wollen - weder Wohlverhalten noch Dankbarkeit.
_ Bewusstsein: Immer freier wählen
Lebenskunst heisst heute, aus vielen Möglichkeiten zu wählen. Frei von sozialen Zwängen der Vergangenheit, gefangen im ausufernden Angebot der Gegenwart. Ein Leben lang können wir uns darin üben, immer freier zu werden von äusserem Druck und aus unserem Innersten heraus zu handeln. Dabei dürfen wir freilich den ersten Schritt, das Loslassen, nie ganz vergessen - denn auch hier gilt: Zum Leben gehören auch das Scheitern im freien Entscheiden und das Akzeptieren ungeplanter Einflüsse.
Wilhelm Schmid sieht die Kunst der Lebensführung als Weg zur inneren Freiheit. Für die Schulung dieser Kunst gibt er zehn Fächer an. Lassen Sie sich davon inspirieren - vieles davon wird sich schon ganz unbewusst in Ihrem Leben manifestiert haben. Vielleicht dient die Übersicht als Bestätigung und Anreiz, den lebenslangen Lernweg mit Begeisterung weiter zu gehen.

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